Die Patienten haben keinen Appetit, verlieren an Muskelmasse und Gewicht. Ein Phänomen, mit dem sich Ärzte auf Palliativ-Stationen (Palliativmedizin meint die (lindernde) Behandlung unheilbar Schwerstkranker) tagtäglich herum schlagen. Eine Auszehrung und ein allgemeiner Verfall, der die Sterblichkeit der Krebspatienten beschleunigt und bei rund 20 Prozent der Patienten sogar die direkte Todesursache darstellt. Das heißt: Die Patienten versterben, obwohl der Tumor an sich – wenngleich inoperabel -, noch gar nicht unmittelbar zum Tode geführt hätte. Eine Erkenntnis, die Forscher und Mediziner beflügelt. Ein Teufelskreis, der unbedingt durchbrochen werden muss …
In diesem Zusammenhang berichtet Focus Online nun von einer hoch-interessanten Studie. Die konnte belegen, dass sich – zumindest im Tierexperiment -, der Muskelabbau nicht nur stoppen, sondern zum Teil sogar rückgängig machen lässt. Die therapierten Mäuse lebten länger und vor allem besser. Doch der Reihe nach: Wissenschaftler des kalifornischen Biotechnologie-Unternehmens Amgen verabreichten den Nagern ein bestimmtes Protein. Das bewirkte, das sich die Muskeln erholten und wieder an Masse zulegten.
Zwar konnte der Tumor selbst nicht beeinflusst werden. Doch die Lebensgeister der Tiere schienen zurück zu kehren, und selbst bei mäkeligen Fressern kam der Appetit wieder. Mehr noch: Die Mäuse lebten länger. Eine Ergebnis, das auch Humanmediziner aufhorchen ließ. Denn hier war erstmals ein direkter Zusammenhang zwischen dem dramatischen Muskelabbau vieler Krebspatienten und der frühen Sterblichkeit belegt. Der bessere Allgemeinzustand der Tiere erhöhte auch die Lebenserwartung.
Hauptziel ist nun natürlich, abzuklären, inwieweit das Tierexperiment auf menschliche Therapieansätze übertragbar sind. Eines der Probleme: Es gibt wohl verschiedene Gründe für diesen dramatischen Muskelabbau. Hier werden meist die Nebenwirkungen der Krebstherapie, aber auch die Psyche der Patienten genannt. Will meinen: Die müss(t)en auch an den neuen Therapieansatz glauben und sich und den Ärzten eine Chance geben. Doch wie dem auch sei: Zumindest scheint nun ein Behandlungsansatz für den bis dato praktisch nicht therapierbaren Muskelabbau in Sicht!

Kommentieren